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Schwester Miriam antwortet


Miriam Altenhofen ist Steyler Missionsschwester
und Psychologin

              
Ich fühle mich unwohl!
 
Liebe Schwester Miriam,

ich gehe in die 7. Klasse und darf mich nicht rasieren! Laut meiner Mutter ist es dafür noch zu früh. Und wenn ich mich jetzt schon rasieren würde, würden die Haare noch schneller nachwachsen, weil ich in der Pubertät bin. Zur Not soll ich halt den Rasierer meiner Mutter nehmen, obwohl ich den für die Achseln nehmen darf und der schon etwas kaputt ist, sodass ich mich schneide. In meiner Klasse rasiert sich so gut wie jeder die Beine. Ich trage deswegen total ungern kurze Hosen oder Röcke. Ich finde, meine Beinhaare sind sehr hervorstechend. Im letzten Sommerurlaub haben manche ganz komisch meine Beine angeschaut. Das war mir peinlich. Ich fühle mich so nicht wohl. Was soll ich tun? Warten, bis ich „reifer“ bin? Das kann ja dann noch ewig dauern!

Clarissa

Liebe Clarissa,

Du möchtest schön und anziehend sein so wie Deine anderen Klassenkameradinnen. Das ist gut zu verstehen. Sich zu rasieren ist an sich nichts Schädliches. Natürlich wachsen die Haare wieder nach, und es braucht eine gewisse Regelmäßigkeit. Mit Reife oder Unreife hat das Rasieren eigentlich wenig zu tun. Es hat eher was damit zu tun, ob ich mich selbst (körperlich) schön finde, und entfernter hat es was damit zu tun, ob ich mich, so wie ich bin, gern haben kann. Die Haare sind etwas Äußerliches, Dein äußeres Erscheinungsbild. Das ist nicht unwichtig, und wir sollen auf ein gepflegtes Äußeres Wert legen, ohne dabei zu übertreiben und in „Körperkult“ zu verfallen. Aber das Äußere ist nicht das Entscheidende. Es ist nicht entscheidend, ob Deine Nase krumm oder gerade ist, ob Du Sommersprossen oder Pickel oder sonstwie eine unreine Haut hast, oder noch anderes. Trotzdem kann dies das Wohlbefinden eines Menschen erheblich beeinflussen und sich negativ auf das Selbstwertgefühl niederschlagen. Aber wertvoll im eigentlichen Sinn sind wir weder aufgrund von Aussehen oder Leistung, d. h. ob ich etwas toll geschafft habe oder ob es mir danebenging, noch ist es davon abhängig, ob mich andere super finden oder über mich herziehen, ob ich gesund oder krank bin. Wertvoll bin ich, weil ich von Gott mit viel Liebe erschaffen und von ihm unendlich geliebt bin. Für Gott bin ich in diesem Sinn immer schön! Die wahre Schönheit kommt von innen, von diesem Wissen, Glauben und hoffentlich auch Erfahren, dass ich geliebt und angenommen bin und dann von meinem eigenen Dazutun, dass ich mich bemühe, mein Leben nach dem wirklich Guten und Wertvollen auszurichten. Vielleicht hilft es Dir, wenn Du mit Deiner Mutter nochmals über das Thema sprichst.
                 

Mit lieben Grüßen

Schwester Miriam SSpS 
 

 

Heft vom September 2010 BestellenBestellen
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